Germaine Greer/Rose Blight: Heckengeflüster

Germaine Greer/Rose Blight
Heckengeflüster

Einbandmotiv von Marion Nickig
Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek

160 Seiten. Farbig bedrucktes Feinleinen.
€ 12,00   €[A] 12,40   
ISBN: 978-3-89561-592-4

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Londoner Gärten sind zum Gruseln. Zum einen, weil die städtischen Wachstumsbedingungen jedem pflanzlichen Leben derart abträglich sind, dass nur das allergenügsamste Grünzeug einigermaßen damit zurechtkommt, zum anderen, weil Londoner Gärtnerinnen vor allem ein Ziel haben: die vorbeiströmenden Passantenhorden von ihrem kleinen Reich fernzuhalten, wozu sie sich jeder List und jeder Tücke bedienen.
In der Hoffnung, möglichst unentdeckt gärtnern zu können, verlegen sich routinierte Gärtnerinnen gern auf so unvergleichlich langweilige Pflanzen wie den Liguster, insbesondere den Immergrünen, Ligustrum ovalifolium, der sich durch nichts davon abhalten lässt, seine schlackengrünen Blätter verbissen durch jedwedes Dunkel bis in luftige Drei- Meter-Höhen zu recken, seine dreckstarrenden Zweige lammfromm teilt, damit die Müllmänner mit ihren Tonnen durchtrampeln können, und Plastiktüten und Zigarettenschachteln in sich hineinfrißt wie ein gigantischer Teppichdackel.
Eine Schicksalsgefährtin findet er in der Aucuba japonica, der japanischen Aukube, auch Goldblatt oder Goldorange genannt, deren pustelgelb gesprenkelte Blätter sich selbst dann noch unerschrocken an ihren Stängeln festklammern, wenn der Rest des Gartens längst unter Bergen von Matratzen, verrosteten Bettgestellen, Flaschen, Konservenbüchsen und über Zaun oder Mauer geschmissenen Kinderwagen dahingesiecht ist. Sollte die Gärtnerin den Wunsch verspüren, sich als Kupplerin zu betätigen und einen Zweig mit männlichen Blüten an die blühende weibliche Pflanze zu halten, wird sie mit leuchtendroten Früchten belohnt, die jedoch leider, leider nicht giftig sind. Eine weitere Pflanze aus japanischen Landen, die unsägliche Zimmeraralie, Fatsia japonica, begnügt sich ebenfalls bereitwillig mit einem Leben in Dreck und ewigem Halbschatten, und zwar, weil ihre fetten Stängel und ledrigen Blätter so abgrundhäßlich sind, dass sie unendlich dankbar dafür ist, überhaupt irgendwo angepflanzt zu werden.
Explodierende Personalkosten haben Blumenrabatten in öffentlichen Parks und Gartenanlagen ein Ende bereitet. Stattdessen sind Bodendecker angesagt. Als Bodendecker bezeichnet man jede niedrig wachsende, kriecherische Vegetationsform, die sich bäuchlings robbend über den Dreck ausbreitet, den die Londoner Erde nennen, bis alles Hacken und Unkrautjäten, im Grunde genommen also alles Gärtnern, überflüssig geworden ist. Efeu, Weiderich und ein unliebenswürdiges Gewächs namens Pachysandra terminalis, japanischer Ysander oder Dickmännchen, sind augenblicklich die absoluten Favoriten. Lysimachia nummularia, das Pfennigkraut, gelb, platt und schnellwachsend, überwuchert jeden noch so hässlichen Schandfleck schneller, als man seinen Namen aussprechen kann. Minze und Melisse dagegen sind nur bei unerfahrenen Gärtnerinnen beliebt, denen nicht bewusst ist, dass die beiden sich darauf kapriziert haben, ihre Wurzeln durch die anderer Pflanzen hindurchzuwühlen und die kahlen Stellen schön kahl zu lassen.
All diese Pflanzen erfüllen durchaus ihren Zweck und sind auf ihre langweilige Art auch durchaus abstoßend. Allerdings wird die infame Gärtnerin, die diese vegetabilen Langweiler tagtäglich vor Augen hat, ihrem pflichtbewussten Stumpfsinn nur wenig positiv Anregendes abgewinnen können und sich bald darauf verlegen, etwas aktiver Abscheuliches auszuhecken.

Rezensionen

»Schön für das Auge, gut für den Geist.«
BuchMarkt

»So liebreizend harmlos das postkartengroße Bändchen daherkommt, so sarkastisch und böse komisch ist das Heckengeflüster innen drin.«
Sabine Vogel, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung

»Als Gartenbesitzerin in London kämpft Germaine Greer gegen Nachbarn, Kinder, Touristen, Gartencenter, Moden, Dummheiten, also gegen die ganze Welt.«
Stuttgarter Nachrichten

»Heckengeflüster steckt voller Witz und Ironie.«
Garden Style

»Bärbeißig, gemein, witzig und eine Trouvaille.«
BücherPICK

»Witzige, hingetupfte Bösartigkeiten.«
garten-literatur.de

»Germaine Greer (...) hat unter dem Pseudonym Rose Blight (zu deutsch: Mehltau) ebenso witzig wie bösartig beschrieben, wie mühevoll die Gestaltung eines Stadtgartens sein kann.«
BuchMarkt

»Im Büchlein Heckengeflüster erwartet Sie Bösartiges aus dem geplagten Leben einer Londoner Gärtnerin in einer hübschen Verpackung in witziger Form zu Papier gebracht.«
sofagaertnerin.blogspot.com

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