Elsemarie Maletzke: Gartenglück

Elsemarie Maletzke
Gartenglück

Mit zahlreichen Vignetten
Einbandmotiv von Marion Nickig

160 Seiten. Farbig bedrucktes Feinleinen.
€ 12,00   €[A] 12,40   
ISBN: 978-3-89561-590-0

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Haben Gärtner einen Knall? Die Pressedame einer bedeutenden Frankfurter Grünanlage meint: Ja. Sie stützt sich auf die Erfahrung des täglichen Umgangs mit siebzig Gärtnern, die diese Anlage in Schuss halten. Ihre Theorie: Hierzulande genössen Gärtner weniger verbalen Auslauf als etwa in Großbritannien. Dort seien Gespräche über Blumenzwiebeln oder Komposthaufen quer durch alle Klassen sanktioniert. Niemand verwechsele dort eine panaschierte Rose mit einem Wiener Schnitzel und jeder könne sich hemmungslos über seine Ein- und Mehrjährigen verbreiten, ohne dass man ihn unübersichtlicher Beziehungen verdächtigte. Nicht so bei uns, wo Freunde der Hortikultur gesellschaftlich in eine leicht verschrullte Ecke gestellt würden, wo sie aus Mangel an Gesprächspartnern oft an verbaler Verstopfung litten und anfingen, mit den Rotkehlchen zu reden.
Wenn aber Gärtner einen Knall haben, wie steht es mit den übrigen Verdächtigen? Gärtnern ist die älteste Freizeitgestaltung, älter als Briefmarken sammeln, Pullover stricken, Volleyball oder mit Modelleisenbahnen spielen. Adam wurde aus einem Garten vertrieben, nicht aus einer Turnhalle oder seinem Hobbykeller, und es spricht für seinen gesunden Verstand, dass er wieder dahin zurück will. Unterwegs sind ihm nicht nur die Reineclaude und die Teehybride geglückt; er – und sie – haben in Jahrhunderten Monumente der Augenlust geschaffen, Kunstwerke, die sich wandeln und doch beständig sind und von jeder Generation neu gesehen werden. Die Gartenlust, so schrieb der belgische Fürst und Diplomat Charles de Ligne schon im achtzehnten Jahrhundert, sei die einzige Leidenschaft, die mit dem Alter zunehme. Wer ihr fröne, lege die weniger wünschenswerten Neigungen ab, »welche die Ruhe der Seele oder die Ordnung der Gesellschaft stören. « Schon die Jungfrau Maria saß im Rosenhag. Semiramis war Gärtnerin. Plinius liebte seine ländliche Villa und die vom Duft der Veilchen überströmte Terrasse. Andere geistliche und weltliche Herrschaften hatten Gärten angelegt, als noch kein Mensch an Briefmarken oder Fallerhäuschen dachte, und ihre segensreichen Erfahrungen weitergereicht.
Alte Gärten sind, wie alte Bäume, jungen an Üppigkeit und Würde naturgemäß überlegen, und es scheint nicht zufällig, dass auch zum Gärtnern eine gewisse Reife von Nutzen ist. Vita Sack ville- West, die mit Ende dreißig einen landschaftlichen Slum aus Matsch und Nesseln, rostigen Blechbüchsen und einem zusammengebrochenen Plumpsklo in Englands wohl berühmteste Anlage verwandelte – Sissinghurst Garden – schreibt: »Ich bin erst ziemlich spät im Leben zum Gärtnern gekommen; ich muss schon zweiundzwanzig gewesen sein.« Sie war Mutter von zwei kleinen Söhnen, als sie auf Long Barn ihre erste Rose pflanzte, und ihre wilden Jahre lagen noch vor ihr, aber vielleicht fällt auch das unter englische Besonderheiten. Hierzulande beginnt das Zeitalter des Pflanzens für die meisten, wenn die Musik in den Lokalen als zu laut empfunden wird und kurz bevor Schüler in der Straßenbahn ihren Platz räumen. Wer sich aufs Gärtnern einlässt, kommt nicht ohne ein paar Tugenden aus, die erworben sein wollen und in der Jugend endemisch nicht vorkommen: Geduld, Weitsicht, Beharrlichkeit und Enttäuschungsresistenz … bitte, es gibt Ausnahmen.

Rezensionen

»Die Frankfurter Reisejournalistin und Autorin Elsemarie Maletzke hat ihr Gartenglück in England und in der Pfalz gefunden - und dies natürlich in Buchform gegossen.«
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

»Schön für das Auge, gut für den Geist.«
BuchMarkt

»Immer anregend, immer gescheit, immer ein Genuss zu lesen.«
Nürnberger Zeitung

»Viele kurze Anekdoten sorgen für eine abwechslungsreiche Lektüre. Ein Geschenk, über das sich jeder Gartenliebhaber mit Sicherheit freut.«
gartenwelt-natur.de

»Eine unterhaltsame Lektüre und Anregung, selbst auf Gartenreise zu gehen, ein schöner Geschenkband für Gartenfreunde und Reiselustige.«
garten-literatur.de

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