Nir Baram: Der WiederträumerNir Baram: Der Wiederträumer

Nir Baram – Der Wiederträumer


Roman
Aus dem Hebräischen von Lydia Böhmer und Harry Oberländer

480 Seiten. Gebunden.
€ 24,90   €[A] 25,60   SFR 42,90
ISBN: 978-3-89561-490-3

Joel entdeckt als Kind, dass er eine besondere Gabe besitzt: Er kann die Träume anderer mitträumen und sie ihnen wiedergeben. Als Joel Jahre später seiner Frau von seiner Gabe erzählt, nimmt ein verhängnisvolles Geschehen seinen Lauf: Rachel will fortan nur noch träumen, wird geradezu süchtig danach, sich die nächtlichen Bilder von ihm in lebhafte Eindrücke verwandeln zu lassen. Ein Spiel mit dem Feuer vor der Kulisse eines monatelangen sintflutartigen Sturms im heutigen, fantastisch verfremdeten Tel Aviv.

Auch die Zwillinge Alon und Lior vergreifen sich an der Erinnerung und wollen das Rad der Zeit zurückdrehen: Sie weigert sich, die symbiotische Beziehung zu ihrem Bruder aufzugeben, er trauert einer vergangenen Liebe nach und versucht der Gegenwart zu entfliehen. Die Schicksale beider Paare kreuzen sich mit dem eines »Bettlerkönigs«, der die Manipulationen des Traumgedächtnisses ausbeutet und unter geheimnisvollen Umständen ermordet wird.

Vor dem apokalyptischen und zugleich alltäglichen Hintergrund seiner Erzählung entfaltet Nir Baram in einer poetischen Sprache voller Witz und Ironie ein figurenreiches Panorama der israelischen und palästinensischen Gesellschaft.


Rezensionen

»Baram scheint an postmoderne Vexierspiele mit Identität anzuknüpfen, die gewissermaßen ohne konkreten Ort auskommen, egal, ob sie wie bei Murakami zufällig in Tokio oder wie bei Auster in New York spielen. Doch man würde Barams Verwirrspiel missverstehen, wenn man es auf bekannte Pasticcios zurückführen wollte. Die brutale Alptraumlogik, mit der sein WIEDERTRÄUMER dem Ende entgegenschießt, zeigt, wie bitterernst es dem Autor mit seiner Geschichte ist. Sie möchte zugleich auch unaufdringlich und, ohne zu belehren, eine Parabel auf heutige Zustände in Israel erzählen – zumindest legen das die Verwicklungen in aktuelle politische und soziale Widersprüche nahe, denen die Figuren schließlich, scheinbar ohne ihr eigenes Zutun, zum Opfer fallen. Politischer Status quo und ökonomische Weltkultur haben sich in ihnen zu einem bösartigen Geschwür verschwistert, das nur noch Zerrbilder von Persönlichkeiten, in Paranoia und Delirium Agierende, hervorbringt. Vielleicht müsste Dostojewski so schreiben, würde er heute in Israel leben.«
Jan Röhnert, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Manche Miniaturszenen, wie der Prolog des Romans, in dem sich der Wiederträumer als Kind in die Betrachtung der Fotografie seines vor langer Zeit gestorbenen Großvaters vertieft, sind von schlichter Schönheit. Seine Sprache ist präzis und unprätentiös, wenn er beschreibt.
Wie Nir Baram die Anziehungskraft der respektlosen, auf sich gestellten ärmeren Schichten erfasst, gibt dem Roman eine Wärme, die sein Sujet sonst ausschließt.«
Sigrid Brinkmann. Deutschlandradio Kultur

»Halten wir uns lieber an die tatsächlich kongeniale Übersetzung des Romans von Lydia Böhmer und Harry Oberländer, die man für ihre Eleganz und Präzesion gar nicht genug preisen kann, und führen wir uns am Beispiel Nir Baram vor Augen, wie ein Schriftsteller-Engagement auch aussehen kann, wenn es sich nämlich nicht in wohlfeilen Slogans erschöpft.«
Marko Martin, Die Welt

»Einsamkeit, Panik und gegenseitiges Unverständnis sind die Grundthemen dieses labyrinthischen, einfühlsam erzählten und melancholischen Buches, in dem die Liebenden sich aneinanderklammern, bis ihnen buchstäblich die Luft wegbleibt, und der Erzähler Joel mit allen Mitteln der Frage nachjagt, wer er ist und welchen Erinnerungen und Träumen er trauen soll.«
Nicole Henneberg, Der Tagesspiegel

»Ein poetisches und sehr schwarzhumoriges Buch.«
Nordwest Zeitung

»Seit Jahren warnt Nir Baram kritisch vor geläufigen Denkschablonen und vor einer inneren Zersetzung, die auch eine Folge des ungelösten Konflikts um Palästina darstellen. DER WIEDERTRÄUMER deutet an, wie morsch das einigende Band geworden ist. Barams Prosa glänzt durch beeindruckende Kompaktheit und Bildhaftigkeit. Im Traum vom Wiederträumen steckt ein realer Albtraum, der das heutige Leben in Israel von innen her überschattet. Nir Baram hat dafür eine metaphorisch dichte Sprache gefunden.«
Beat Mazenauer, Der Landbote

»Kunstvoll gesponnen sind die einzelnen Fäden, die das Ganze zusammenhalten. Die Übergänge von Realität zu Traum, von Rückblenden, Kindheitserinnerungen und Zeitsprüngen zur Gegenwart sind so fließend, dass sie unbemerkt vorbeirauschen und mitreißen. Baram erzählt so melancholisch, ironisch und schlichtweg traumwandlerisch gekonnt eine Geschichte, die so skurril anmutet und dennoch glaubwürdig wirkt. Eins ist sicher: Der Schöffling-Verlag hat mit dem WIEDERTRÄUMER einen Fang gemacht, der seinesgleichen sucht.«
mySPUTNIK.de

»DER WIEDERTRÄUMER war für mich ein einzigartiges Leseerlebnis.«
Amos Oz

»Einer der faszinierendsten Autoren der israelischen Gegenwartsliteratur.«
Haaretz


Schöffling & Co. Verlag
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