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Miljenko Jergović: Sarajevo MarlboroMiljenko Jergović: Sarajevo Marlboro

Miljenko Jergović – Sarajevo Marlboro


Erzählungen
Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert
Mit einem Nachwort von Daniela Strigl

200 Seiten. Gebunden.
€ 18,90   €[A] 19,50   SFR 27,50
ISBN: 978-3-89561-392-0

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Miljenko Jergović erzählt aus dem belagerten Sarajevo: Seine Helden sind die kleinen Leute, beschädigt und zerstört von den Schrecken des Krieges, der ihren Alltag und das Zusammenleben im Vielvölkerstaat völlig aus den Fugen hebt. Er erweist sich als Meister des Details: der Kaktus der Geliebten, der während des Bombardements im Keller vertrocknet; der Apfelbaum zwischen zwei Grundstücken, der in der schlimmsten Phase des Krieges die prächtigsten Äpfel trägt und zerstrittene Nachbarn in ihrer Not wieder zusammenbringt; der Tontopf für ein typisches bosnisches Gericht, der im Exil sehnlich vermisst wird – die einfachen Dinge des täglichen Lebens spiegeln die große Tragödie im Kleinen und lassen Schrecken und Verzweiflung unmittelbar spürbar werden: »Für die Welt, die so eingerichtet ist, wie sie es ist, gibt es eine Grundregel: Sieh zu, dass sich deine Habe auf zwei stets gepackte Taschen reduzieren lässt.«

Mit einem Paukenschlag hat sich Miljenko Jergović mit diesen Geschichten in die erste Liga der europäischen Erzähler geschrieben.


Rezensionen

»Beeindruckend und anrührend, tendenziell versöhnlich und analytisch wertvoll. Mit diesen bewegenden Geschichten, die Sentimentalität unsentimental und in äußerst lakonischer Verdichtung darreicht, ist Jergović so etwas wie die Balkan-Version von Marcel Prousts Madeleine-Epiphanie gelungen. Miljenko Jergović ist wegen seiner ungnädigen späten Geburt zwar nicht zum Totengräber eines hinfälligen Systems, wohl aber zum virtuosen Chronisten einer notwendigen Desillusionierung geworden.«
Hendrik Werner, Die Welt

»In der knappen Beschreibung einfacher, scheinbar unbedeutender Dinge oder Gegenstände gelingt Jergović, die große Tragödie im Kleinen zu spiegeln. Mit den vorliegenden Erzählungen nun ist ihm etwas Besonderes geglückt: Geschichten, die ihren Lesern eine unmittelbare Vorstellung davon liefern, was es heißt, unter Bombenhagel von einer möglichen Zukunft zu träumen. Stories, die uns mit jeder Zeile suggerieren, wie schmerzhaft dieses Träumen mitunter sein kann. Der vorliegende Band knüpft nicht nur an die genauen und plastischen Porträts seiner vorangegangenen Bücher an; vielmehr belegt er erneut Jergovićs Könnerschaft, seine Sympathie für den Menschen und seine ungewöhnliche Einsicht in die Schönheit und Tragik unserer Existenz.«
Peter Henning, Die Zeit Online

»Dies ist ein wirklich gutes Buch. In den Kurzgeschichten Jergovićs wurden die Kämpfe nicht fortgesetzt, wurde nicht abgerechnet und gerichtet, sondern sie zeigten das Ringen einzelner Menschen mit sich selbst und mit der plötzlich feindlichen Welt. Jergović hatte bis dahin Gedichte geschrieben, und das erklärt seinen sicheren Griff zum passenden Wort. Jergovićs Figuren halten am Leben fest. Mit der Darstellung ihrer Nöte und zerbrechlichen Würde verteidigt der Autor – bei aller philosophischen und politischen Skepsis – das Humane gegen den Krieg. Dazu dient ihm eine knappe Sprache von schlichter und rauer Schönheit, die auch große Worte nicht scheut.«
Sandra Kerschbaumer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Luftig ist das Geflecht dieser stilistisch glänzenden und von großer Ökonomie getragenen Sätze, zwischen die sich das Grauen schiebt. In suggestiven Bildern gleich Prosagedichten beschreibt Miljenko Jergović, wie Menschen der Geschichte anheim fallen und ihr ausgeliefert sind. In diesem bosnischen Mikrokosmos scheinen die Abgründe unserer Existenz auf, die uns alle angehen.«
BR2 Diwan

»Miljenko Jergović ist ein Gedächtniskünstler im eigentlichen Sinne. Wie sein erzählender Totengräber hält er die Erinnerung an unzählige Leben und an den Krieg in Jugoslawien wach. Indem er Geschichten erzählt, atmosphärisch, ohne sich je im Detail zu verlieren, ironisch, doch niemals ohne Taktgefühl. Indem er sich in die Erlebnisse seiner Figuren und in ihre Verhaltensweisen hineinfrisst. Und indem er über das Geschichtenerzählen selbst nachdenkt. Am Ende lässt der erzählende Totengräber offen, ob man über die Lebenden und die Toten überhaupt etwas sagen kann. Aber man muss es versuchen, so viel ist gewiss, denn ›Die Welt verschwindet mit den nicht ausgesprochenen Worten.‹ Es ist dieses trotzige Dennoch, das den Reiz von Jergovićs Erzählungen ausmacht.«
Nico Bleutge, Der Tagesspiegel

»Jergovićs erstes Buch ist nun noch einmal neu übersetzt worden, eine Ehre, die den wenigsten Debüts widerfährt, zumal zu Lebzeiten des Autors. Die wunderbare Übersetzung von Brigitte Döbert verleiht dem scheinbar alltäglichen Ton Stimmigkeit und Eleganz. Sie erlaubt die Neuentdeckung des Debüts.«
Jörg Plath, Deutschlandradio

»Auf wenigen Seiten kann Jergović den Kosmos eines ganzen Menschenleben entfalten – es sind Meisterstücke der kurzen Form, die höchst wirkungsvoll komponiert sind und oft zielstrebig auf den Moment der grausamen Überraschung oder der lebensklugen Pointe hintreiben.«
SWR 2

»So knüpft der vorliegende Band nicht nur an die genauen und plastischen Porträts seiner vorangegangenen Bücher an; vielmehr belegt er erneut Jergovićs Könnerschaft, seine Sympathie für den Menschen und seine ungewöhnliche Einsicht in die Schönheit und Tragik unserer Existenz.«
WDR 3


»Vielleicht ist der Zeitabstand wichtig, um den Irrsinn, der diese wunderbare multikulturelle Stadt fast auslöschte, halbwegs zu erahnen. Zumal Jergovic nicht versucht, das große Grauen in Worte zu fassen. Er erzählt, mitten im Bombenhagel, von peripheren, privaten Ereignissen, er liefert ›winzige Derivate der Trauer‹, er widmet sich kleinen Dingen, um nicht völlig wahnsinnig zu werden. Es sind Granatsplitter der Erinnerung, sie treffen Herz und Hirn.«
Werner Krause, Kleine Zeitung


Außerdem erschienen von Miljenko Jergović

Miljenko Jergović: Buick RiveraMiljenko Jergović: Das WalnusshausMiljenko Jergović: FreelanderMiljenko Jergović: Wolga, Wolga


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