Olga Tokarczuk: Unrast

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse

Buch des Monats April der Darmstädter Jury

SWR Bestenliste Mai 2009
SWR Bestenliste Juni 2009

Olga Tokarczuk: Unrast

Olga Tokarczuk – Unrast


Aus dem Polnischen von Esther Kinsky

464 Seiten. Gebunden.
€ 24,90   €[A] 25,60   SFR 42,90
ISBN: 978-3-89561-465-1

Eine Frau und ihr kleiner Sohn verschwinden auf mysteriöse Weise während des Urlaubs; eine orthodoxe Sekte will durch ständige Bewegung dem Teufel entkommen; die Ich-Erzählerin ist auf permanenter Wanderschaft: In ihrem neuen Buch UNRAST beschäftigt sich die große polnische Autorin Olga Tokarczuk mit der Reiselust und dem Nomadentum des modernen Menschen. In einer Vielfalt von Texten, von der Reiseerzählung über mythologische Geschichten bis zur pointierten philosophischen Betrachtung, bannt sie die Hektik des modernen Lebens in einen feinverwobenen erzählerischen Kosmos, der durch brillante Prosa besticht.

Olga Tokarczuks Figuren sind Getriebene, Flüchtende vor der Starrheit der Zuordnung, der Verwurzelung, rastlos auf der Suche nach einer immateriellen Heimat. Der Weg dorthin führt durch ein faszinierendes Labyrinth von Geschichten über Menschen, Dinge, Orte und Zeiten, die dieses Buch zu einer wahren Welt für sich machen.

»Die Reise ist wohl die größtmögliche Annäherung an das, was unsere moderne Welt zu sein scheint: Bewegung und Instabilität. Jede Epoche sieht sich versucht, den Zustand des zeitgenössischen Menschen mit irgendeinem schlauen Wort zu beschreiben. Mir scheint, dass für unsere Zeit ›Unrast‹ ein solches Wort sein könnte.«
Olga Tokarczuk


Rezensionen

»Dieser nomadisierende Roman ist so bemerkenswert, weil er als ein glänzender literarischer Kommentar gelesen werden kann zu dem weltumspannenden Entwurzelungswerk und der rasenden Deterritorialisierung, in deren Spur der Kapitalismus voraneilt. Ein zugegeben emphatischer Kommentar. Hier entsteht ein neuer Lebens- und Denkstil, der den Hochgeschwindigkeitskapitalismus weder nostalgisch ausbremsen noch popliterarisch umhätscheln, sondern links liegen lassen will.«
Iris Radisch, DIE ZEIT

»Es ist ein Buch, das vom Nomadentum des modernen Menschen handelt – rätselhaft, poetisch und sehr, sehr klug.«
Focus

»UNRAST ist ein wundersames Buch, dessen Poetik ›ausfransenden Erzählfäden‹, der ›ungewöhnlich verschobenen Perspektiven‹ und der Weigerung, ›Schlussfolgerungen zu ziehen‹, die Autorin selbst offenlegt. Ein Buch in Bewegung, das die Metapher der Lebensreise oder Pilgerschaft auf vielfältige Weise ausfaltet: zeitlos und zeitgemäß, bestürzend konkret und märchenhaft versponnen. Nach dem Motto: ›Wohin wir auch reisen, wir reisen immer darauf zu.‹ Nuanciert folgt Esther Kinskys Übersetzung den Mäandern der Erzählung.«
Ilma Rakusa, Literaturen

»Man würde schon gern wissen, warum. Warum Olga Tokarczuks immerhin 450 Seiten starkes Werk UNRAST keinen Moment langweilt? Warum verläßt einen die Leichtigkeit, die man beim Lesen gespürt hat, nicht? Die packende Story, die man nicht loslassen konnte, kann es nicht sein, denn es gibt sie nicht. Auch ist das Buch keine reine Gute-Laune-Sache. Es ist voller kleiner und größerer, trauriger bis tragischer Geschichten. Zusammengehalten werden sie von einer erstaunlichen Ich-Erzählerin, die von Beginn an zwei Gesichter von sich und der Welt vermittelt.«
Hans-Peter Kunisch, Süddeutsche Zeitung

»Das Doppelbödige, Abseitige, manchmal auch Unheimliche zieht Olga Tokarczuk an. Die stilistische und artifizielle Vielfalt ihrer Texte ist erstaunlich. Mit wissenschaftlicher Objektivität erkundet die polnische Autorin, was meist verschwiegen oder verborgen bleibt: die dunklen Seiten des Lebens.«
Maria Frisé, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Glückliches Polen, wo Bücher wie dieses mit dem wichtigsten Literaturpreis des Landes ausgezeichnet werden! Kaum vorstellbar, daß ein so abstraktes, dabei auf rätselhafteste Weise soghaftes Werk den Deutschen Buchpreis erhielte; der nämlich wäre das Äquivalent zum Nike-Preis. Einen Roman im üblichen Verständnis hat Olga Tokarczuk nicht geschrieben, vielmehr ein Kompendium unterschiedlichster Textsorten und Textlängen - Aphorismen, Anekdoten, Fabeln, mythische Spielereien, philosophische Lehrstücke, Fragmente eines historischen Romans -, und das alles gebündelt unter dem treffenden Titel UNRAST.«
Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau

»Kein Lesefutter, das sich rasch verbraucht hat, sondern ein Buch, das die lamgsa,e Lektüre verträgt und weiterträgt.«
Gisela Erbslöh, SWR2 Forum Buch

»In ihrer klaren, leuchtenden Prosa (an der die Übersetzerin Esther Kinsky auch ihren Anteil hat) zeigt Olga Tokarzuk die Verknüpfungspunkte der Geschichtsfäden: Es sind Knoten der Sehnsucht. Olga Tokarczuk entwirft erzählend einen Kosmos aus Geschichte und Gegenwart, den sie durch ihre fragmentarische und nur im Wurzelbereich verbundene Kompositionstechnik der Oberhoheit der grossen Erzählungen entzieht. Konzepte wie Fortschritt, Wissenschaft und Globalisierung werden in diesem Buch aufgelöst, durch die schiere Vielfalt und den Reichtum an Leben und Lebensgeschichten. Aber auch durch die tiefe Empathie dieser Autorin mit ihren Figuren, selbst mit einem amputierten Bein.«
Christine Lötscher, Tages-Anzeiger

»Olga Tokarczuk erzählt spöttisch, mitfühlend und genau von dieser Obsession, die bizarre und wahnhafte, zugleich verblüffend schöne Bilder hervorbringt und dem Roman einen eigenwilligen Sog verleiht – obwohl er eher einer Textcollage gleicht.«
Nicole Henneberg, Tagesspiegel

»Mit UNRAST ist Tokarczuk ein außergewöhnliches Buch in einer auf den ersten Blick halsbrecherischen Art gelungen. UNRAST ist mehr als nur eine Annäherung an das, was unsere moderne Welt zu sein scheint. Tokarczuk gelingt es auf unkonventionelle Art, intelligent und sensibel, unsere moderne Welt abzubilden. Fast meditativ treffen sich Tragik und Komödie in der Wartehalle. Ein erstaunliches Buch!«
ORF

»Eine kunstvolle Erzählung über das Umherziehen in der Welt, über das Heimischwerden in Flugzeugsesseln und über die für Schriftstellerinnen nützliche Unsichtbarkeit, die Frauen ab Vierzig zusteht. ›Wozu sind Wurzeln gut, wenn man sie nicht mitnehmen kann?‹ - schrieb Gertrude Stein, und für Tokarczuk erweist sich dies in UNRAST als Kern der modernen Conditio humana oder sogar als Bedingung allen Handelns.«
Kazimiera Szczuka, Polityka


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