Tadeusz Borowski: Bei uns in Auschwitz

Tadeusz Borowski
Bei uns in Auschwitz

Erzählungen
Aus dem Polnischen von Friedrich Griese .

424 Seiten. Gebunden.
€ 24,90   €[A] 25,60   SFR 35,50
ISBN: 978-3-89561-329-6

» Leseprobe
» Autorenporträt Tadeusz Borowski

»Klare, selbstquälerisch gnadenlose Erzählungen.«
Imre Kertész

Die Erzählungen des polnischen Auschwitzüberlebenden Tadeusz Borowski gehören zu den beklemmendsten Zeugnissen des 20. Jahrhunderts. Scheinbar moralisch indifferent beschreibt Borowski die Greuel der nationalsozialistischen Vernichtungslager und verzichtet dabei auf eine klare Trennung zwischen Opfer und Täter. Aus der Perspektive des Kapos, der als Aufsichtsperson eine Rolle zwischen seinen Mithäftlingen und deren Mördern einnimmt, schildert er den Wettlauf der Häftlinge ums Überleben. Mit einer erbarmungslosen Genauigkeit, die dem Leser nichts schenken will, berichtet er von der Mutter, die bei der Selektion ihr Kind verleugnet und der Arroganz der alteingesessenen Häftlinge gegenüber den Neuankömmlingen im Lager.
Imre Kertész bewundert die »klaren, selbstquälerisch gnadenlosen Erzählungen« Borowskis, die in der europäischen Lagerliteratur einzigartig sind.

»Ich wollte aufschreiben, was ich erlebt habe, aber wer auf der Welt wird einem Schreiber glauben, der eine unbekannte Sprache spricht? Das ist, als wollte ich Bäume und Steine überzeugen«, sagt Borowski nach seiner Befreiung und Rückkehr nach Warschau.

Die Erzählungen Borowskis sind jetzt – fast sechzig Jahre nach ihrer Entstehung – in der Neuübersetzung von Friedrich Griese wiederzuentdecken.

Rezensionen

»Wenn von der europäischen Zivilisation nur dieses Buch erhalten geblieben wäre, was würde dann ein Nachmensch über uns denken? Das Erschreckende an diesem Buch: Auschwitz erscheint als natürliche Fortsetzung unserer Lebensweise, als eine bis ins Absurde verstiegene Normalität.«
Olga Martynova, DIE ZEIT

»Wem es hier nicht kalt über den Rücken läuft, der weiß nicht, was aufregende, verrückte, amoralische, zeitlose Literatur ist - oder er will nichts mehr über die Hitler-Tage, die Asche und den Tod lesen. Tadeusz Borowski ist wahrscheinlich - neben Imre Kertész - der einzige Schriftsteller auf dieser Welt, der es dank seiner Ehrlichkeit, seiner Melancholie, seines Talents schaffte, ein paar hundert Seiten zu schreiben, nach deren Lektüre man endlich begreift, was Auschwitz, was der Holocaust wirklich gewesen ist.«
Maxim Biller, Der Spiegel

»Wie kein anderer veranschaulicht Borowski die Selbstverständlichkeit und Verrohung, mit der man nach einer Weile das Unvermeidliche hinnimmt. Er beschreibt, wie die Männer vom Sonderkommando, selber Sträflinge, sich vor den neu angekommenen Opfern ekeln, während sie deren Habseligkeiten zum eigenen Gebrauch wegschleppen. Er läßt uns nachvollziehen, wie gut die Lebensmittel schmecken, die man den Toten an der Rampe abgenommen hat. Niemand hat so intensiv über Hunger in den Lagern geschrieben wie Borowski.«
Ruth Klüger, Literaturen

»Wie sehr Tadeusz Borowski darin geübt war, Stimmungen und Zustände anhand weniger Gegenstände oder Metaphern darzustellen, zeigt sich auch in seinen Erzählungen. Sie sind zweifellos nicht leicht zu übersetzen. Friedrich Griese hat sich seiner Aufgabe gut entschlagen.«
Franziska Augstein, Süddeutsche Zeitung

»Seinen internationalen Ruhm verdankt Tadeusz Borowski seinen Erzählungen, in denen er die Realität deutscher Konzentrationslager mit einer Härte, aber auch mit einer Meisterschaft beschreibt, die ohne Beispiel ist. Die neue Ausgabe im Schöffling-Verlag ist um einige Erzählungen erweitert, und vor allem entspricht ihre Gliederung genauer der Entstehungsgeschichte dieser Texte.«
Marta Kijowska, Neue Zürcher Zeitung

»Tadeusz Borowski muß man immer wieder lesen. Unstrittig ragt sein Erzählband über Auschwitz als provozierender Solitär aus dem Kanon der Holocaust-Literatur hervor.«
Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur

»Borowskis Berichte werden auch dann Beachtung finden, wenn andere Bücher der KZ-Sparte vergessen sein werden. Seine Gedichte und Erzählungen werden als wichtiger Teil der Weltliteratur die Zeiten überdauern. Von allen vorherigen Ausgaben, von 1963 bis 1999, ist die vorliegende Fassung in der kongenialen Übersetzung von Friedrich Griese die beste. Ich halte sie für einen Meilenstein in der Literatur über Auschwitz.«
Arno Lustiger, Die Welt

»Borowskis unvergleichliche Erzählungen liegen nun endlich vollständig in einer sehr gelungenen Übersetzung vor.«
Stefan Berkholz, WDR3

»Borowskis Erzählungen über das Lagerleben gehören zu den bedeutendsten und verstörendsten literarischen Zeugnissen der Schreckensherrschaft der Nazis und ihrer Vernichtungsmaschinerie. Scheinbar indifferent, aber mit größter Genauigkeit in der Beobachtung und messerscharfer sprachlicher Präzision beschreibt er die Entfremdung des der völligen Entgrenzung ausgelieferten Menschen von sich selbst und seinen Mitmenschen. Eine geradezu unmenschliche psychische und literarische Leistung.«
Florian Hunger, Jüdische Zeitung

»In Deutschland redet 55 Jahre nach Borowskis Tod ein hochrangiger Regierungsvertreter bei einer ›Gedächtnis Buchenwald‹-Veranstaltung vornehmlich von den Opfern, die die deutschen Ostvertriebenen nach dem Krieg bringen mußten - dem Schöffling Verlag ist zu danken, daß er an die tatsächlichen Opfer der Jahre 1939-45 erinnert, denen Tadeusz Borowski ein beklemmendes Denkmal gesetzt hat.«
Yaak Karsunke, Frankfurter Rundschau

»Schnell ist das gesagt: ›ein wichtiges Buch‹. Dieses hier ist es in solch grundsätzlicher Weise, wie Kunst überhaupt nur auf Leben antworten, ja, Leben als solches erfahrbar machen kann.«
Nikolai B. Forstbauer, Stuttgarter Nachrichten

»Borowski beschreibt mit harten, klaren Worten das Leben im Untergrund und im Lager, den Terror, die Unberechenbarkeit und die schreckliche Berechenbarkeit, mit der es ins Gas geht. Dem Zynismus der Deutschen setzt er einen hilflosen Zynismus der Überlebenden entgegen. Wie auch soll man sich sonst vor den Gefühlen retten?«
Georg Patzer, literaturkritik.de

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