Jean Cayrol: Im Bereich einer Nacht

Buch des Monats März 2011 der Darmstädter Jury

Jean Cayrol:
100. Geburtstag
am 6. Juni 2011

Jean Cayrol
Im Bereich einer Nacht

Roman
Aus dem Französischen von Paul Celan
Mit einem Nachwort von Ursula Hennigfeld.

256 Seiten. Leinen.
€ 19,95   €[A] 20,60   SFR 28,50
ISBN: 978-3-89561-165-0

» Leseprobe (PDF – 0,4 MB)
» Autorenporträt Jean Cayrol
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Am Vorabend seines dreißigsten Geburtstags fährt François auf Wunsch seines Vaters von Paris an den Ort seiner Kindheit. Vom Bahnhof aus zu Fuß unterwegs wird er von der hereinbrechenden Nacht überrascht und verirrt sich.

In einer Landschaft, die nichts Vertrautes mehr zu haben scheint, mehren sich die Vorzeichen von Tristesse und Verzweiflung: verlassene Häuser, Weggabelungen und beunruhigende Begegnungen mit Fremden. Dunkle Kindheitserinnerungen an den bedrohlichen Vater und den frühen Tod der Mutter mischen sich in die Erlebnisse der Nacht. Am Ende seiner Kräfte und seiner Reise findet François Zuflucht im Haus einer Familie, in dem es zu einer unerwarteten Konfrontation mit seinem Vater kommt.

Jean Cayrols IM BEREICH EINER NACHT, »empfindsam übersetzt« (Der Spiegel) von Paul Celan, ist eine außergewöhnliche Vater-Sohn-Geschichte, in der der Mythos vom verlorenen Sohn umgeformt wird »in eine wesentlich härtere Variante: in die Geschichte vom verlorenen Vater, zu dem es keine Rückkehr mehr gibt« (Neue Zürcher Zeitung). Jean Cayrol, wie Camus und Sartre ein Autor von europäischem Rang, ist zu entdecken, ebenso Paul Celans herausragende Übertragung, die erstmals seit Jahren wieder erscheint. Ein Nachwort von Ursula Hennigfeld, geboren 1977, Romanistin und Germanistin, informiert über Cayrols Leben und Werk sowie über Celans Übersetzung und liefert eine umfangreiche Analyse von IM BEREICH EINER NACHT.

Rezensionen

»Auch sein Roman IM BEREICH EINER NACHT aus dem Jahr 1954 kam Anfang der sechziger Jahre in der Übersetzung von Paul Celan heraus, kaum rezipiert und rasch aus den Regalen verschwunden. Dass man ihn nun wieder lesen kann, verdankt sich dem Schöffling-Verlag, der sich an eine Neuausgabe wagt und nicht umsonst auf dem Cover des Buches neben dem Autor den weitaus berühmteren Übersetzer Paul Celan nennt. (...) Es ist ein poetischer Text, der wie in einem Schauermärchen eine Figur an die Abgründe seiner Wahrnehmung, auf die andere Seite der Wirklichkeit führt. Alle Hoffnung, aus dem Albtraum zu erwachen, zerschlägt sich. Die ödipale Grundstruktur, die biblischen Anspielungen auf den verlorenen Sohn, das spätromantische Setting sind dabei für den Leser trügerische Rettungsringe, die einen in Wahrheit tiefer hineinziehen ins Undurchdringliche und Unauflösbare. Samuel Beckett hat dieses Grundgefühl noch weitergetrieben, auch in der Sprache. Aber bei Cayrol ist es bereits spürbar.«
Ulrich Rüdenauer, Süddeutsche Zeitung

»Der hundertste Geburtstag des französischen Schriftstellers und Bibliothekars, Widerstandkämpfers, KZ-Häftlings und Zwangsarbeiters Jean Cayrol (1911 – 2005) am heutigen Montag bietet also Anlass, einen originellen Roman kennenzulernen. Noch dazu wurde er glanzvoll übersetzt, von Paul Celan, der, wie man sich vorstellen kann, keine Bedenken hatte, noch ein wenig in den Text einzugreifen. Auch darauf geht das Nachwort von Ursula Hennigfeld ein, das die Neuauflage zur Gelegenheit ausweitet, einen ›der großen Unbekannten der französischen Literatur‹ kennenzulernen.«
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

»Ein existentielles Sprachkunstwerk.«
Andreas Trojan, Bayerischer Rundfunk

»Ein moderner Klassiker, poetisch und düster.«
Chrismon

»Faszinierend poetisch.«
Nürnberger Nachrichten

»Es ist ein poetischer Text, der wie in einem Schauermärchen eine Figur an die Abgründe seiner Wahrnehmung, au die andere Seite der Wirklichkeit führt. Die ödipale Grundstruktur, das spätromantische Setting sind dabei für den Leser interpretatorische Rettungsringe, die ihn tiefer hineinziehen ins Unauflösbare. Zu recht weist Ursula Hennigfeld darauf hin, dass der Roman im Kontext der Literatur über die Shoah gelesen werden sollte.«
Saarbrücker Zeitung

»Der von Paul Celan empfindsam eingedeutschte Roman des französischen Schriftstellers zeichnet sich durch poetische Schönheiten aus.«
Der Spiegel

»Virtous verknüpft der Autor Motive der Fremdheit und Identitätssuche mit archetypischen Konflikten. Er bedient sich dunkler Metaphern und nimmt manch Stilmittel des Nouveau Roman vorweg. (...) Cayrols existentialistisch gefärbter Antiheld wird am Ende der Nacht erkennen müssen, dass der völlige Bruch mit der schmerzlichen eigenen Vergangenheit nicht möglich ist.«
Ingeborg Waldinger, Wiener Zeitung

»Der Roman ist eine Paraphrase auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn, allerdings mit überraschendem Ausgang.«
Jochen Schimmang, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Eine beeindruckende Entdeckung! Ich habe lange keinen Roman von solch suggestiver Kraft gelesen. (...) Cayrol schreibt Literatur vom Feinsten. Diese Nacht vergisst keiner.«
Michael Lemling, 5 plus

»Cayrols Intention zielt auf den Menschen, und zwar nicht nur auf einen so oder so beschaffenen Menschen, dessen eigenartige Lebensgeschichte erzählt würde, sondern auf den Menschen schlechthin, der sich in einer jeweils besonderen Person spiegelt. Cayrol handhabt die Form seines Romans souverän. Er bastelt nicht, er will nicht verblüffen. Er will Bücher vom Menschen schreiben.«
Heinz Beckmann, Rheinischer Merkur

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