Franziska Gerstenberg: Spiel mit ihr

Franziska Gerstenberg
Spiel mit ihr

Roman

264 Seiten. Gebunden.
€ 19,95   €[A] 20,60   SFR 28,50
ISBN: 978-3-89561-342-5

Nach seiner Scheidung entdeckt Reinhard, fünfzig, Rechtsanwalt, zweierlei: seinen Körper und das Internet. Er sucht sich neue weibliche Gesellschaft auf Datingplattformen und macht fremde Fantasien zu seinen eigenen; die Partnerin, um diese auszuleben, findet er in Kristine. Es beginnt mit harmlosen Rollenspielen. Kristine lässt sich verführen, doch zugleich sehnt sie sich nach einem Vater für ihre Tochter und nach einer ganz altmodischen Ergänzung ihrer Familie. Eine Zeitlang scheint es, als könnten alle Wünsche in Erfüllung gehen. Aber was als harmloses Ausleben von Bedürfnissen beginnt, endet in einem Desaster. Und Kristines Tochter verschwindet.

SPIEL MIT IHR ist ein kluger, sinnlicher und gefährlich gegenwärtiger Text über den Preis, der für die Erfüllbarkeit sämtlicher Sehnsüchte gezahlt werden muss. Franziska Gerstenberg wahrt ihren Figuren gegenüber Distanz und Respekt. Doch die Abgründe sind immer nur einen Gedanken, einen Tastenklick entfernt. »Es ist nichts passiert«, sagt Reinhard an einer Stelle. Aber alles könnte passieren.

Rezensionen

»Gerstenberg beschreibt das, was der kühne spanische Filmemacher Pedro Almodovar nicht auf der Leinwand zeigen könnte, weil es zu riskant ist. ... Gerstenbergs Thema ist die Misere der Moderne, ist die kalte Melancholie unserer Tage, die Erstarrung vor den Abgründen ... Ihre Figuren verlieren den Bezug zur Realität.«
Roland Mischke, Südkurier

»Entwickelt aus einer Geschichte, die nichts ausspielt, und geschrieben in einer Sprache, die sich nicht aufspielt, zeichnet SPIEL MIT IHR ein tiefenscharfes Zeitbild. ... Zu Recht erhielt Gerstenberg für den Romanerstling ein Stipendium.«
Joachim Reiber, Die Presse

»Temposcharf und schlüssig.«
Ulrich Steinmetzger, Saarbrücker Zeitung

»Franziska Gerstenberg spielt mit Wahrnehmungen und Vorurteilen in einem erotisch aufgeladenen Roman, der Grenzen auslotet und vor vorschnellen Festlegungen warnt. Frisch und frech ist diese Geschichte mit Protagonisten, die überraschend immer wieder in neuem Licht erscheinen. Wer spielt hier mit wem?«
Susanne von Mach, Main-Echo

»Es erwächst eine erstaunliche Spannung, die vor allem der geschickten Konstruktion des Romans zu verdanken ist: Trieb und Lust können hier jederzeit zuschlagen, auch im unpassendsten Moment - mit grausamen Folgen.«
Michael Kraft, news.de

»Franziska Gerstenbergs Roman besticht durch die Klarheit und Unbedingtheit, mit der sie ihre Idee vom Spielen realisiert, ohne dabei den Feinschliff bei den Figuren wie Nebenhandlungen zu vernachlässigen. Im scheinbar Abseitigen entwickelt sie eine unglaubliche Nähe. Mit der Figur des geistig zurückgebliebenen und arbeitslosen Nachbarn Meisner, bei dem Emma Zuflucht findet, da ihr das eigene Heim zunehmend fremd wird, gelingt ihr ein bewegendes Porträt einer sozialen Randfigur, die im Ernstfall den Sündenbock zu spielen hat.«
Carola Wiemers, Deutschlandradio Kultur

»Nach zwei hochgelobten Erzählbänden geht Franziska Gerstenberg in ihrem neuen Roman mutig zur Sache. ... Ohne den pornografischen Kitzel allzu explizit überzustrapazieren, individualisiert sie ihre Gespielen, weswegen sie auseinanderdriften müssen. ... Doch wie die Ereignisse dann insgesamt aus dem Ruder laufen, ist kosequent, temposcharf und sehr schlüssig beschrieben.«
Ulrich Steinmetzger, Leipziger Volkszeitung

»Dieser Roman lässt frösteln und lächeln. … Aufs Feinste lässt Gerstenberg markante Formulierungen wiederholen … Aufs Feinste hat sie die Details gearbeitet. .. Und in vollendeter Balance zwischen unaufdringlich und unübersehbar spiegelt Gerstenberg wesentliche Vorgänge … Porst (50) und Emma (6), der Anwalt und die Grundschülerin, der Internet-Dater und die Meerschweinchenfreundin, trutzige Egoisten und Naturtalente in der Ausnutzung anderer, dürften in der Tat das fabelhafteste Albtraum-Duo der Saison sein. … Die Frage der Überlegenheit, um die es hier immer wieder geht: Franziska Gerstenberg spielt sie uns gegenüber voll aus. Wie gern und manchmal atemlos lassen wir es uns gefallen.«
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau

»Frei von jedem Voyerismus erzählt die Autorin so präzis wie sinnlich vom hohen Preis, der für die nur scheinbar leicht zu relasierende Erfüllung jeglicher Wünsche zu entrichten ist.«
Hans Ulrich Probst, DRS 2

»Dramaturgisch geschickt. ... Scharfsinnig hinterfragt Gerstenberg die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern, dass das absurde Ende des Spiels fast zwangsläufig scheint.«
Britta Heidemann, Westdeutsche Allgemeine Zeitung

»Franziska Gerstenberg zeigt, wie virtuell erzeugte Sehnsüchte an dem Umstand scheitern, dass Menschen nicht nur das Netz, sondern auch noch ein Leben haben.«
Christoph Schröder, die tageszeitung

»Gerstenberg setzt dieser elenden Welt mit ihren trivialen Spielen und traurigen Gestalten die Ästhetik ihres perfekt konzipierten Romans entgegen. Mit all ihrem erzählerischen wie stilistischen Können ... räumt die Absolventin des Leipziger Literaturinstituts auf, was bei ihren Figuren im Argen liegt. ... Ihre Modernekritik lautet: Um 1800 glaubte man, dass die Naturgesetze die menschlichen Beziehungen bestimmen, heute hängt das Glück des Einzelnen davon ab, wie viel er im Spiel des Lebens riskiert. Früher gab es noch die Hoffnung des ästhetischen Spiels. Die hat sich inzwischen zerschlagen, weil man nur noch banalisierte Spielformen kennt.«
Christian Metz, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Die Besonderheit dieses Romans besteht vor allem darin, dass die brisante Realität des Stoffs literarisch umgesetzt worden ist. Das Verhältnis zwischen der sozialen Analyse und den Figurenbildern ist wunderbar ausgewogen. Es handelt sich nicht um einen Zeitgeist-Roman über die Verführungskraft bestimmter Teile des Internets. Franziska Gerstenberg erzählt über Figuren, die sich haben verführen lassen. ... Die Stärken des Romans liegen in der Sprache, in der Genauigkeit - beides kommt den großartigen Figuren zustatten.«
Michael Hametner, MDR Figaro

»Franziska Gerstenberg erzählt kühl und souverän von der Last mit der Lust. … Ein interessanter Zeitroman.«
Tilman Krause, Literarische Welt

»Äußerst spannend. ... Gerstenberg legt mit wenigen Sätzen in gedanklichen Abschweifungen ihrer Protagonisten das Doppelbödige des Alltags frei, öffnet Falltüren hin zu möglichen Abgründen.«
Anja Kümmel, Weser-Kurier

»Gerstenberg ist eine kühle Beobachterin menschlicher Minidramen. In ihrem Debütroman erzählt sie aus einer Welt, in der alle Wünsche erfüllbar scheinen – und irgendwo, ganz in der Ferne, die Liebe als Bedrohung lauert.«
Christoph Schröder, KulturSPIEGEL

»Spannend, beklemmend, präzis. ... Franziska Gerstenberg ist mit ihrem ersten Roman ein Wurf gelungen. Die 33-jährige Erzählerin, die am Deutschen Literaturinstitut Leipzig Prosa, Lyrik, Dramatik und Neue Medien studiert hat, erfüllt damit die Erwartungen, die sie mit ihren Erzählungsbänden »Wie viel Vögel« (2004) und »Solche Geschenke« (2007) geweckt hat. Ihr Stil ist knapp und klar, ihr Blick genau. ... Zu Franziska Gerstenbergs Kunst gehört auch, dass sie nicht jedes Detail gleichermassen ausmalt. Sie wählt sehr genau aus und zeigt sich als Virtuosin im Weglassen, im Treffen des Ungenauen. Der Sprachrhythmus stimmt, die Dialoge sitzen, da ist nichts Steifes oder Gespreiztes. ... Ihr Roman ist eine packende Studie über die Not einer Gesellschaft, in der Träume partout verwirklicht werden müssen.«
Manfred Papst, NZZ am Sonntag

»Ein spannender, zeitgemäßer Roman.«
Matthias Wulff, Berliner Morgenpost

»Ein schmaler Roman über einen breiten Themenkreis. Macht ausüben. Willen aufzwingen. Grenzen übertreten. Dominanz. Unterwerfung und Missbrauch. Gerstenberg schildert die Abläufe mit kühler Präzision. Ihr unspektakulärer Tonfall rückt die zunehmend ungeheuerlichen Vorfälle in die Nähe des Normalen, Banalen, Alltäglichen. Die Charaktere fächert sie gründlich auf, überlässt es vermeintlich den Lesern, sich ein Bild zu machen. Geschickt verzichtet sie auf Paukenschlag und Katastrophe.«
Jens-Uwe Sommerschuh, Sächsische Zeitung

»Ein sehr, sehr empfehlenswerter Roman.«
Constanze Alt, Kreuzer. Das Stadtmagazin Leipzig

»Gerstenberg zeichnet ein nüchternes Bild von Beziehungen im virtuellen Zeitalter. Ihre präzise Sprache führt den Leser durch dieses Gewirr an (Macht)Phantasien, Sehnsüchten, Einsamkeit und den Vorstellungen von Beziehungen, die man sich in einer Welt macht, in der lose Bindungen zu einer neuen wesentlichen Beziehungsform erklärt wurden.«
Bücherschau Wien

Außerdem erschienen von Franziska Gerstenberg

Franziska Gerstenberg: Solche GeschenkeFranziska Gerstenberg: Wie viel Vögel

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